Am 9. September 2025 fand der Community Call zum Thema „Pflegebedarf in Familien – ein unterschätzter Faktor am Arbeitsmarkt?“ statt.
Im Mittelpunkt stand die neue Studie von EcoAustria und der ERSTE Stiftung, die die Auswirkungen familiärer Pflegeverpflichtungen auf erwerbstätige Menschen in Österreich erstmals umfassend aus ökonomischer Perspektive beleuchtet.
Die Studie liefert eine neue Datenlage zum Zusammenhang zwischen familiärer Pflege und Arbeitsmarktverhalten. Sie zeigt, wie Pflegeverantwortung Arbeitszeitmodelle, Teilzeitquoten und Frühpensionierungen beeinflusst – und wie diese Entwicklungen mit dem Fachkräftemangel verknüpft sind.
Österreich gehört zu jenen Ländern, in denen Pflege überwiegend innerhalb der Familie geleistet wird. Besonders häufig übernehmen Kinder – und hier vor allem Töchter – die Pflege von Angehörigen. Diese familiäre Verantwortung führt zu Vereinbarkeitsproblemen, die angesichts des demografischen Wandels und der zunehmenden Arbeitskräfteverknappung doppelt relevant sind.
Die Ergebnisse der Studie zeichnen ein klares Bild:
- Jährlich reduzieren potenziell 20.700 Personen zwischen 40 und 64 Jahren ihre Erwerbstätigkeit aufgrund der Pflegebedürftigkeit der Eltern.
- Das entspricht rund 9.200 Vollzeitäquivalenten, die dem Arbeitsmarkt verloren gehen – bei etwa 90.000 offenen Stellen im Jahr 2024.
- Das tatsächliche Ausmaß dürfte noch deutlich höher liegen, wenn weitere Gruppen berücksichtigt werden: Beispielsweise pflegende Angehörige von Großeltern oder Kindern mit Beeinträchtigungen, sowie Frauen, die bereits aufgrund von Kinderbetreuung in Teilzeit arbeiten sind nicht Teil der Studie.
Das Video zum Call ist jetzt verfügbar und bietet vertiefende Einblicke in die Studie sowie Impulse für alle, die sich mit Pflege, Gerechtigkeit und Zukunft der Arbeit beschäftigen.
Im Community Call präsentierte Dr. Monika Köppl-Turyna die zentralen Erkenntnisse der Studie und diskutierte mit den Teilnehmenden über politische Handlungsoptionen, strukturelle Herausforderungen und individuelle Erfahrungen.
Die Folien aus dem Call können hier heruntergeladen werden:

Der Endbericht der Studie kann hier eingesehen werden.


