Die demografische Entwicklung stellt uns vor große gesellschaftliche Herausforderungen. Die Zahl älterer und damit auch pflegebedürftiger Menschen steigt kontinuierlich. Gleichzeitig geraten unser Gesundheitssystem, Pflegeeinrichtungen und Spitäler und nicht zuletzt Familien zunehmend an ihre Belastungsgrenzen.
Familien übernehmen bis zu 80% des gesamten Betreuungs- und Pflegebedarfs und sind damit eine unverzichtbare Stütze unserer Gesellschaft. Ihre Rolle der betreuenden und pflegenden An- und Zugehörigen übernehmen sie meist aus Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig sind sie durch die damit verbundenen emotionalen, finanziellen, körperlichen und zeitlichen Belastungen oftmals überfordert. Die Konsequenzen zeigen sich nicht nur gesundheitlich – etwa in stressbedingten oder körperlichen Erkrankungen -, sondern betreffen häufig auch den Arbeitsmarkt. So reduzieren pflegende Angehörige oftmals ihr Beschäftigungsausmaß aufgrund der Pflegebedürftigkeit von beispielsweise ihren Eltern oder scheiden frühzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Dies hat gravierende Folgen sowohl individuell als auch auf den Arbeitsmarkt und damit auf die gesamte Volkswirtschaft. Dem herrschenden Fachkräftemangel versuchen wir unter anderem durch die Anhebung des Pensionsantrittsalters entgegenzuwirken – was nur schwer gelingen kann, wenn Menschen, insbesondere Frauen, bereits lange vor dem Pensionsalter aufgrund der Pflegebedürftigkeit ihrer Angehörigen aus dem Berufsleben ausscheiden.
Diese Entwicklungen stellen uns und unsere sozialen Systeme zunehmend auf die Probe und werfen grundlegende gesellschaftliche Fragen auf.
Zum Auftakt der Online-Konferenz 2026 soll diese Diskussionsrunde die großen gesellschaftlichen Fragen aufgreifen, ohne dabei die individuelle Ebene von Betroffenen zu vergessen. Mit dem Fokus auf Pflege und Betreuung gehen wir folgenden Fragen nach: In welcher Gesellschaft möchten wir zusammenleben und was macht gesellschaftlich wie individuell ein gutes Leben aus? Wie müss(t)en unsere Systeme gestaltet sein, um dieses gute Leben zu ermöglichen? Welche Verantwortung tragen dabei Politik, Wirtschaft und auch wir ganz individuell?
Als Basis für die Diskussion bringen Prof.in Monika Köppl-Turyna und Prof. Holger Bonin Analysen zum Status Quo sowie erste Gedanken zum gesellschaftlichen Miteinander ein. Die Diskussion wird durch die Perspektiven und Reflexion von Judith Litschauer, Elisabeth Anselm und Prof. Klaus Wegleitner angereichert und ergänzt.