Young Carers: „Im Sturm“ macht ihre Realität sichtbar

Der Kurzfilm der FH Salzburg zeigt die Doppelbelastung zwischen Jugend und Pflegeverantwortung
Im Sturm Video Bild

Nach der Schule Freund:innen treffen, Sport machen oder einfach abschalten. Für viele Jugendliche gehört das zum Alltag. Für Young Carers sieht die Realität oft anders aus. Während Gleichaltrige ihre Freizeit gestalten, beginnt für sie zu Hause oft eine weitere Schicht an Verantwortung.

Young Carers sind Kinder und Jugendliche, die Angehörige mit einer körperlichen oder psychischen Erkrankung, Behinderung oder Suchterkrankung im Alltag unterstützen. Sie helfen bei organisatorischen Aufgaben, übernehmen Tätigkeiten im Haushalt, spenden emotionale Unterstützung oder leisten pflegerische Hilfe. Viele von ihnen tragen schon in jungen Jahren Verantwortung, die weit über das hinausgeht, was üblicherweise mit Kindheit oder Jugend verbunden wird.

Kurzfilm „Im Sturm“ ansehen

Young Carers leben eine Mehrfachbelastung

In Österreich übernehmen mehr als 42.700 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 18 Jahren regelmäßig Pflegeaufgaben. Studien zeigen zudem, dass in nahezu jeder Schulklasse ein bis zwei Young Carers sitzen. Gleichzeitig wächst etwa jedes sechste Kind mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf. Hinter diesen Zahlen stehen junge Menschen, die oft schon früh lernen müssen, Verantwortung zu übernehmen und die Bedürfnisse anderer vor die eigenen zu stellen.

Die Herausforderungen sind vielfältig. Schule, Hausaufgaben, Prüfungen, Freundschaften und die eigene Entwicklung treffen auf die Sorge um ein Familienmitglied. Viele Young Carers erleben eine Doppelbelastung, die für Außenstehende oft unsichtbar bleibt. Die Gedanken sind auch während des Unterrichts häufig bei der Familie: Geht es der erkrankten Person gut? Wird zu Hause alles funktionieren? Was passiert, wenn sich die Situation verschlechtert?

Pflegeverantwortung endet nicht mit dem Läuten der Schulglocke. Sie begleitet viele Betroffene rund um die Uhr. Spontan etwas mit Freund:innen unternehmen, einfach abschalten oder die Sorgen für ein paar Stunden hinter sich lassen, ist oft nur schwer möglich. Das Gefühl der Verantwortung reist ständig mit.

Rucksack auf Tisch in einer Schule

Trotzdem bleiben viele Young Carers unerkannt. Sie fallen im Schulalltag oft nicht auf, erfüllen ihre Aufgaben und versuchen, den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Was hinter den eigenen vier Wänden geschieht, bleibt häufig verborgen.

Genau diese oft unsichtbare Lebensrealität greift der Kurzfilm „Im Sturm“ auf. Entstanden ist das Projekt in Kooperation mit Alles Clara und dem Studiengang MultiMediaArt der FH Salzburg. Für die kreative Konzeption und Umsetzung verantwortlich waren die Studierenden Elias Engelhardt, Patrick Mercelat und Maximilian Pfeiffer, die die Lebensrealität von Young Carers auf filmische Weise erfahrbar machen wollten.

Der Film begleitet ein junges Mädchen auf dem Heimweg von der Schule. Zu Hause angekommen kümmert sie sich um ihre erkrankte Mutter und übernimmt Verantwortung, die für viele Gleichaltrige unvorstellbar ist. Während ihres Weges zieht ein Sturm auf. Er wird zum Sinnbild für die Belastungen, Sorgen und Herausforderungen, denen viele Young Carers täglich begegnen.

Zentral ist dabei die Verbindung von äußerer und innerer Realität. Der Sturm macht sichtbar, was sonst oft verborgen bleibt: den Druck, die Unsicherheit und die emotionale Last, die viele junge pflegende Angehörige mit sich tragen. Gleichzeitig erzählt der Film keine Geschichte der Hoffnungslosigkeit. Die junge Protagonistin begegnet den Herausforderungen mit Stärke und Durchhaltevermögen. Obwohl der Sturm sie begleitet, kann sie ihn meistern. Damit zeigt der Film nicht nur die Belastungen von Young Carers, sondern auch ihre bemerkenswerte Resilienz und die Fähigkeiten, die viele von ihnen im Alltag entwickeln.

Mit „Im Sturm“ gelingt es, die Lebenswelt junger pflegender Angehöriger greifbar zu machen. Der Kurzfilm informiert nicht nur über das Thema, sondern ermöglicht einen Perspektivenwechsel: Wie fühlt es sich an, als junger Mensch Verantwortung für die Pflege eines nahestehenden Menschen zu übernehmen?

Am Ende bleibt eine wichtige Erkenntnis: Unterstützung beginnt mit Aufmerksamkeit. Zuhören, Verständnis zeigen, ehrlich nachfragen oder über vorhandene Hilfsangebote informieren kann einen Unterschied machen. Denn je sichtbarer das Thema Young Carers wird, desto leichter wird es für betroffene Kinder und Jugendliche, die Unterstützung zu erhalten, die sie brauchen.

Mehr Inforlationen zu Young Carers und Unterstützunsangebote gibt es bei youcare.

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