Mann mit kurzem Haar und Bart sitzt auf einem Stuhl und arbeitet an einem Laptop vor einer grauen Wand.

Die Kunst der Begegnung im Pflegeberuf

Alles Clara Berater Fred gibt Einblicke in sein Leben, seinen Werdegang und seine persönlichen Gedanken.

„Wir empfinden uns gerade dann als freie Menschen, wenn wir das Gefühl haben, dass wir uns bewährt haben im Umgang mit dem, was wir uns nie ausgesucht hätten!“ Giovanni Maio

Ein Mann steht im Freien vor einer verschwommenen, grünen Hintergrundlandschaft mit einem neutralen Ausdruck.

Mein Name ist Fred Dvorak und ich arbeite seit 30 Jahren in verschiedenen Sparten des Pflegeberufs.

Bei meinem Beruf schätze ich die Herausforderung, durch achtsames Zuhören, nicht viel reden und keine ungefragten Ratschläge, eine wirkliche Begegnung mit meinem Gegenüber stattfinden lassen zu können. In dieser fühle ich mich dann als Mitreisender, Gefährte, Leidensgefährte. Diese Begegnung erfordert von mir Austausch und Abgrenzung. Der Prozess ist bei beiden ein Lernprozess, bei dem es oft um Erkenntnisgewinn und Übernahme von Eigenverantwortung geht.

Vor allem durch die Auseinandersetzung mit meinem Gegenüber, mit der Möglichkeit, aber auch der Unmöglichkeit des „Heil-Werdens“, entsteht eine Demut. Diese Demut oder Dankbarkeit glückt nur, wenn wir darauf verzichten können, alles im Griff zu haben oder alles selber machen zu müssen – die Fassade bekommt Risse.

„There is a crack in everything. That’s how the light gets in.“ Leonard Cohen.

Riss in einer weißen Wand, der sich vertikal durch die Oberfläche zieht.

Es ist wie ein Einlassen auf das Geschenk des Lebens, nicht nur als dekoratives Beiwerk, sondern als essentielles Wert-Erleben! Durch diese Erkenntnis fällt es manchmal leichter, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen, um so die Lage besser ertragen zu können. Weckrufe können einschneidend, aber auch sehr flüchtig sein. Es geht darum, eine Nachhaltigkeit herzustellen.

Dazu brauchen wir die Erfahrung, gemeinsam mit anderen etwas tun zu können, sich aktiv mit Vorhaben auseinanderzusetzen und dadurch Selbstwirksamkeit zu erleben! Wirkliche Freiheit ist Interdependenz – ich lasse mich darauf ein, dass wir voneinander abhängig sind, um miteinander etwas gestalten zu können, was keiner von uns alleine könnte. „Einzeln ist der Mensch, ein schwaches Wesen.“

Fünf Vögel fliegen majestätisch am Himmel.

„Und es kann sein: eine große Kraft rührt sich in meiner Nachbarschaft.“ Rilke

Bei Alles Clara gefällt mir die Verschriftlichung der Kommunikation. Es ermöglicht vertiefte Verstehensprozesse und schafft Nachhaltigkeit. Die Chatprotokolle sind immer wieder nachlesbar und schaffen so Stabilisierung und Aktualisierung der Beratungsbeziehung. Die Online-Beratung stellt eine eigenständige, psychosoziale Interventionsform dar. Durch das Schreiben erfolgt auch eine Art Kanalisierung von Gefühlen und Spannungen. Durch die Verschriftlichung der eigenen Problemlage entsteht ein kreativer Selbstausdruck.

Das Revolutionäre beginnt im Vorfeld, in einzelnen Nischen, bei einzelnen Menschen, die etwas denken, mit Gruppen, die etwas ausprobieren. Das Spannende am Anfang ist, dass es irgendwann zu einer Selbstverständlichkeit wird. Alles Clara, als Netzwerk der Fürsorge, schafft eine fürsorgliche Kultur durch eine aktivere Teilnahme an der Gesellschaft, die auf gegenseitiger Unterstützung basiert. Unser Lebens- und Wirtschaftsmodell kommt an Grenzen. Wir sind vermutlich die letzte Generation, die es in der Hand hat, etwas zu ändern.

„Courage is being scared to death but saddling up anyway“ – Mut bedeutet, zu Tode erschrocken zu sein und trotzdem aufzusatteln.

Eine Person schwebt in der Luft zwischen Wolken und blauem Himmel.

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