Rucksack in Schulklasse

Dolmetschen, Organisieren, Kümmern: Wenn Teenager zu Caregiver werden

Fiktive Anfrage einer Jugendlichen

Daniela, Klinische- und Gesundheitspsychologin bei der Caritas und Beraterin bei Alles Clara, beantwortet in diesem Beitrag die fiktive Anfrage eines jungen Menschen, der viel Verantwortung für seinen Vater übernimmt. Sie zeigt, warum solche Situationen viele Jugendliche betreffen – und welche Unterstützung es gibt.

Portrait von Daniela

Daniela ist Klinische- und Gesundheitspsychologin bei der Caritas und Beraterin bei Alles Clara. Sie begleitet Jugendliche und Erwachsene, die in herausfordernden Familiensituationen leben.

Fiktive Anfrage einer jugentlichen Ratsuchenden

„Ich bin 15 und ich kümmere mich viel um meinen Papa. Wir kommen nicht aus Österreich und Papa kann fast kein Deutsch. Wenn er krank ist oder Termine hat, muss ich immer mitgehen, weil er sonst niemanden versteht. Ich mache die Anrufe, fülle Sachen aus und rede mit den Ärztinnen.

Manchmal fühlt es sich an, als wäre ich die Erwachsene. Ich mag Papa sehr und will ihm helfen, aber es ist oft echt viel. In der Schule sag ich nichts, weil ich nicht will, dass jemand denkt, wir hätten Probleme oder Papa wäre komisch.

Manchmal bin ich einfach müde und weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll. Gibt es irgendwo Hilfe für Kinder wie mich, die ihre Eltern pflegen und alles organisieren müssen? 🎒

Aylena“

Tisch in der Schule

Antwort von Daniela

Liebe Aylena,

mein Name ist Daniela und ich bin deine Beraterin hier bei Alles Clara. Dass du dich meldest und so offen über dich und deine Familie erzählst, ist wirklich stark. 🧭

Du machst nichts falsch – und deine Familie hat keine „Probleme“, für die du dich schämen müsstest. Was du für deinen Papa machst, also Anrufe erledigen, dolmetschen, Formulare ausfüllen oder bei Arztterminen sprechen, nennt man Young Carer sein. Das bedeutet, dass du schon sehr viel Verantwortung trägst, obwohl du selbst noch jung bist.

Es gibt Unterstützungsmöglichkeiten, die dir helfen können, damit du nicht alles alleine tragen musst:

  • Superhands — eine Anlaufstelle speziell für junge Menschen, die sich um Angehörige kümmern. Kostenlos, anonym, telefonisch oder online.
  • Young Carers Austria — hier gibt es eine App und einen Chatbot, der dir schnell und anonym Antworten gibt.
  • Rat auf Draht – 147 — die österreichische Notrufnummer für Kinder und Jugendliche. Rund um die Uhr erreichbar, anonym und kostenlos.

Bezüglich der Arzttermine für deinen Papa: Viele Ärztinnen können professionelle Dolmetscherinnen dazuschalten. Frag beim nächsten Termin einfach nach – das ist völlig in Ordnung und nimmt dir einiges ab. 🔎

Wenn du in der Schule nicht darüber sprechen möchtest, ist das okay. Aber vielleicht gibt es einen Vertrauenslehrerin oder einen Schulsozialarbeiterin, mit denen du reden könntest. Manchmal tut es gut, wenn jemand Bescheid weiß und dich unterstützt.

Du kannst dich jederzeit bei den oben genannten Stellen melden. Du musst das nicht alleine schaffen. 🌐

Alles Liebe dir und deinem Papa

Daniela

Weitere Geschichten die dich interessieren könnten:

Ein Beitrag von Beatrix, Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und Beraterin bei Alles Clara
Der Leitfaden in der zweiten Auflage zum kostenlosen Download
Alles Clara
Jedes Monat neu:

Der Alles Clara Newsletter!

Alles Clara