Naturkatastrophen wie Hochwasser, Sturm oder extreme Hitze treffen unsere Gesellschaft zunehmend – doch pflegende Angehörige stehen dabei vor besonders komplexen Herausforderungen. Evakuierungen, Stromausfälle oder blockierte Wege können die Versorgung von Pflegebedürftigen gefährden und Angehörige in akute Krisensituationen bringen.

Der Leitfaden in der zweiten Auflage ist kostenlos und in 9 Sprachen verfügbar.
Laut dem Zweiten Österreichischen Sachstandsbericht zum Klimawandel (APCC, 2025) ist Österreich besonders stark betroffen: Die Temperaturen steigen schneller als im globalen Durchschnitt, Extremwetterereignisse wie Hitze und Starkregen nehmen zu. Das Hochwasser im September 2024 hat gezeigt, wie rasch Versorgungssysteme an ihre Grenzen stoßen können. Besonders gefährdet sind vulnerable Gruppen – darunter pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen.
Zweite Auflage
Zum Tag der Pflege 2026 wurde die zweite Auflage des Leitfadens zur Vorbereitung auf Naturkatastrophen für pflegende Angehörige veröffentlicht. Der Leitfaden wurde gemeinsam mit dem Disaster Competence Network Austria, der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger, Lobby4Kids, der Österreichischen Apothekerkammer, dem Zivilschutz Österreich und Alles Clara entwickelt.
Der Leitfaden ist kostenlos erhältlich – als deutsche Langfassung sowie als kompakte Kurzfassung in den Sprachen Deutsch, Englisch, Arabisch, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Rumänisch, Slowakisch und Türkisch.

Der Leitfaden bietet konkrete Handlungsempfehlungen zur Vorbereitung auf den Ernstfall und greift dabei folgende Schwerpunkte auf:
1. Vorbereitung & Orientierung
Der Leitfaden lädt dazu ein, Vorsorge bewusst und ohne Angst anzugehen – mit dem Ziel, Sicherheit, Orientierung und Handlungsfähigkeit zu stärken. Er verweist auf die steigende Relevanz durch Klimawandel und Extremwetterereignisse.
„Eine gute Vorsorge schafft Sicherheit, Orientierung und Handlungsfähigkeit.“
2. Notfall-, Krisen- und Katastrophenereignisse in Österreich
Der Leitfaden beschreibt, wie stark Österreich vom Klimawandel betroffen ist und welche Risiken sich daraus ergeben. Er erklärt das Klimarisiko (Gefahr + Exposition + Vulnerabilität) und hebt hervor, dass alleinlebende ältere Menschen sowie pflegebedürftige Personen besonders gefährdet sind.
„Die durchschnittliche Temperatur steigt deutlich schneller als im globalen Durchschnitt.“
3. Die Notfallplanung
Der Leitfaden zeigt Schritt für Schritt, wie ein wirksamer Notfallplan entsteht – abgestimmt auf die individuelle Pflegesituation.
3.1 Krisenszenarien
Der Leitfaden hilft, realistische Risiken einzuschätzen – von Naturgefahren wie Starkregen oder Hochwasser bis zu technischen Ereignissen wie Blackout. Dazu gehören auch verlässliche Informationsquellen und Frühwarnsysteme wie HORA, GeoSphere Austria oder AT‑Alert.
3.2 Relevante Personen & Organisationen
Erfasst werden alle, die im Ernstfall eine Rolle spielen: pflegebedürftige Personen, Angehörige, 24h‑Betreuer:innen, mobile Dienste und das soziale Umfeld. Zuständigkeiten – inklusive Vertretung – werden klar definiert.
3.3 Handlungsfelder
Der Leitfaden beschreibt, was in Krisen besonders wichtig ist:
- funktionierende Kommunikation (inkl. barrierefreie Wege)
- gesicherte Pflege und Betreuung
- medizinisch‑therapeutische Leistungen (z. B. Heimbeatmung, Dialyse)
- Medikamentenplanung und Ernährung
- ausreichende Hilfsmittel und analoge Betriebsanleitungen
3.4 Haushalt & Vorräte
Von kritischen Ressourcen über Notfallgepäck bis zu Lebensmittelvorräten und Haushaltsapotheke – der Leitfaden zeigt, wie ein Haushalt so vorbereitet wird, dass Versorgungslücken überbrückt werden können.
4. Checkliste Notfallplan
Alle Empfehlungen sind in einer kompakten, leicht anwendbaren Checkliste zusammengefasst. Ideal für regelmäßige Überprüfung und Anpassung.
5. Informationen & Druckvorlagen für den Notfall
Alle Versionen enthalten mehrere ausfüllbare Vorlagen:
- Notfallkontakt‑Blatt
- Informationen zur medizinischen Betreuung
- Betreuungsinformationen für den Notfall
Diese erleichtern die Übergabe an Einsatzkräfte, mobile Dienste oder Vertretungspersonen.
6. Weiterführende Links
Zugang zu Warnsystemen, Behörden, Pflegeorganisationen und Informationsportalen
Ziel des Leitfadens ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen, Vorsorge zu stärken und pflegende Angehörige als systemrelevante Akteur:innen in der Katastrophenvorsorge sichtbar zu machen.

Ein besonderer Dank gilt den Mitwirkenden:
- Isabel Anger (Disaster Competence Network Austria),
- Gudrun Egger (ERSTE Stiftung),
- Laura Essl (Disaster Competence Network Austria),
- Michaela Greifeneder (Alles Clara),
- Birgit Meinhard-Schiebel (Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger),
- Irene Promussas (Lobby4Kids – Kinderlobby),
- Christian Resch (Disaster Competence Network Austria),
- Nicole Traxler (Alles Clara),
- Susanna Wernhart (Disaster Competence Network Austria).
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