Herzgesundheit betrifft alle – aber nicht alle gleich. Frauenherzen schlagen anders: biologisch, symptomatisch und oft auch gesellschaftlich. Yvonne, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin bei der Diakonie de La Tour und Beraterin bei Alles Clara, kennt die feinen Unterschiede. Mit einem Bachelor of Health im Bereich Herzkatheter und langjähriger Erfahrung in der Kardiologie weiß sie, worauf es ankommt – besonders bei Frauen.
Denn obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit die häufigste Todesursache bei Frauen sind, werden sie noch immer zu spät erkannt und unterschätzt.

„Dieser Beitrag zeigt, warum das so ist, wie sich Symptome bei Frauen äußern – und was jede Frau über ihr Herz wissen sollte.“
Yvonne
Warum Herzinfarkte bei Frauen oft übersehen werden
Der klassische Brustschmerz, der bei Männern häufig auftritt, ist bei Frauen oft weniger ausgeprägt. Stattdessen berichten sie von:
- Schmerzen zwischen den Schulterblättern
- Druckgefühl wie ein zu enger BH-Träger
- Müdigkeit, Übelkeit oder Luftnot
Viele Frauen halten länger durch, gehen zuerst zum Hausarzt und nicht direkt in die Notaufnahme. Auch Ärztinnen und Ärzte interpretieren die Symptome oft falsch – es kommt zu Fehleinschätzungen und verspäteter Behandlung.
Unterschiede zwischen Frauen- und Männerherzen
Das weibliche Herz ist etwas kleiner und schlägt schneller, um den Körper ausreichend zu versorgen. Doch entscheidend sind die Unterschiede in den Krankheitsverläufen:
- Frauen werden anders herzkrank
- Medikamente wirken bei ihnen oft anders
- Hormonelle und soziokulturelle Faktoren beeinflussen das Risiko
- Lebensstil, Stressverarbeitung und Symptomwahrnehmung unterscheiden sich
Besonders gefährdet sind Frauen nach den Wechseljahren und nach Schwangerschaften mit Komplikationen wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Diabetes gehört zu den Risikofaktoren für Herzkrankheiten bei Frauen.
CMD – die „unsichtbare“ Herzkrankheit bei Frauen
Neben dem klassischen Herzinfarkt gibt es eine geschlechtsspezifische Form: die koronare mikrovaskuläre Dysfunktion (CMD). Dabei sind nicht die großen Herzkranzgefäße betroffen, sondern die winzigen Kapillaren, die den Herzmuskel netzförmig versorgen.
CMD tritt häufig nach den Wechseljahren auf, wenn der schützende Effekt der Östrogene nachlässt. Die Symptome ähneln einem Herzinfarkt:
- Brustenge
- Kurzatmigkeit
- Schwäche oder extreme Müdigkeit
- Übelkeit, Nacken-, Kiefer- oder Rückenschmerzen
Da die großen Gefäße unauffällig bleiben, wird CMD oft nicht erkannt – und die Beschwerden als weniger dringlich eingestuft.

Extreme Müdikeit ist eines der Symptome der CMD.
Alarmzeichen für einen Herzinfarkt bei Frauen
Frauen leiden häufiger unter atypischen Symptomen. Dazu zählen:
- Plötzliche, extreme Müdigkeit
- Atemnot
- Schwindel oder Schwächegefühl
- Magenbeschwerden, Übelkeit oder Erbrechen
- Brennen unter dem Brustbein
- Schmerzen zwischen den Schulterblättern oder im Oberbauch
- Ziehen in den Armen
- Nackenschmerzen
- Depressionen
Ein Herzinfarkt – auch durch CMD – ist ein medizinischer Notfall. Jede Minute zählt, denn Herzmuskelzellen sterben unwiderruflich ab. Je schneller die Blutversorgung wiederhergestellt wird, desto besser die Prognose.
Behandlung und Unterschiede in der Versorgung
Wenn die richtige Diagnose gestellt wird, erhalten Frauen und Männer im Krankenhaus die gleiche Behandlung: meist eine Katheter-Technik zur Wiederherstellung der Durchblutung, gefolgt von Überwachung und medikamentöser Therapie.
Doch die Herausforderung liegt in der Erkennung. Medikamente wirken bei Frauen oft anders, Nebenwirkungen sind häufiger – hier braucht es mehr Forschung und individuelle Anpassung.

Frauen und Männer erhalten im Krankenhaus oft die gleiche Behandlung. Doch Medikamente wirken bei Frauen oft anders.
Risikofaktoren kennen – und vorbeugen
Nicht nur Frauen nach der Menopause sind gefährdet. Auch jüngere Frauen zwischen 40 und 50 können betroffen sein – besonders bei ungesundem Lebensstil oder familiärer Vorbelastung.
Risikofaktoren:
- Übergewicht
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfette
- Erhöhter Blutzucker
- Psychosoziale Belastung
- Stress
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung
Schutzfaktoren:
- Regelmäßige Bewegung
- Entspannung
- Rauchfrei leben
- Gesunde Ernährung
- Gemeinsame Mahlzeiten
- Soziale Geborgenheit

Go Red Day – ein Zeichen für Frauenherzen
Der internationale Aktionstag „Go Red for Women®“ findet jährlich am ersten Freitag im Februar statt. Initiiert von der American Heart Association, soll er auf die hohe Zahl von Herzerkrankungen bei Frauen aufmerksam machen.
Das Tragen roter Kleidung an diesem Tag ist ein sichtbares Zeichen: für mehr Bewusstsein, mehr Forschung und mehr Gerechtigkeit in der Herzmedizin.
Women motivate each other. Educate each other. Support each other. Inspire each other. Let’s Go Red together – to be seen, to be counted, to be heard.

Fazit
Frauenherzen schlagen anders – und sie brauchen Aufmerksamkeit. Wer Symptome kennt, Risiken ernst nimmt und rechtzeitig handelt, kann Leben retten.
Yvonne bringt es auf den Punkt: „Wir haben alle das gleiche Herz – aber der Hormonhaushalt, die Lebensrealität und die medizinische Wahrnehmung sind unterschiedlich. Es ist Zeit, dass Frauenherzen gesehen und gehört werden.“


