„Ich hatte keine Ahnung, was ein Young Carer ist“ 

jetzt gestalte ich Lösungen

Wenn mir vor ein paar Monaten jemand gesagt hätte, dass ich gemeinsam mit einem Team aus den Bereichen Wissenschaft, Sozialarbeit, Design und mit jungen Menschen Ideen für Young Carers entwickeln würde, hätte ich mir das kaum vorstellen können. Nun haben wir so weit umsetzbare und auch noch mega interessante Projekte auf die Beine gestellt, dass sie realisierbar werden. Und doch bin ich mittendrin gelandet: im Innovationsprojekt „Young Carers“ Österreich, das gemeinsam mit „Alles Clara“, der Universität Wien und vielen engagierten Partner:innen umgesetzt wird.

Von Julia Hochlenert,
Praktikantin im Sommer 2025

Wer sind eigentlich Young Carers?

Young Carers sind Kinder und Jugendliche, die sich regelmäßig um ein krankes Familienmitglied kümmern, zum Beispiel um eine chronisch kranke Mutter, einen pflegebedürftigen Vater oder ein Geschwisterkind mit Behinderung. Durch die Workshops und viel Recherche habe ich herausgefunden, dass es in Österreich sogar über 40.000 junge Menschen betrifft. Viele von ihnen wissen nicht einmal, dass sie mehr Verantwortung übernehmen, als in diesem Alter zumutbar ist.

Genau da setzt das Projekt an. Wir wollen neue Ideen finden, wie man Young Carers auf verschiedenste Weisen helfen kann, und auf diese Herausforderung aufmerksam machen, damit die Gesellschaft zukünftig mehr darüber weiß.

Denn selbst ich hatte den Begriff „Young Carer“ zuvor noch nie gehört.

Drei Städte, drei Workshops.

Im Frühling 2025 fanden drei Innovations-Workshops in Wien, Graz und Innsbruck statt, bei denen ich live dabei war. Als Praktikantin durfte ich nicht nur mitarbeiten, sondern das Projekt maßgeblich mitgestalten. Jede Stadt hat ein anderes Ergebnis hervorgebracht.

Die Workshops basierten auf dem Design-Thinking-Prozess, mit dem ich mich zuvor nur theoretisch auseinandergesetzt hatte. Und plötzlich steckte ich mittendrin. Beobachten, Fragen stellen, Cluster bilden, Ideen entwickeln, Prototypen erstellen, Feedback einholen. Es war für mich sehr spannend zu sehen, wie die Workshops organisiert wurden und mit den verschiedensten Menschen zu kommunizieren. Außerdem konnte ich Wien und Graz besuchen und das Heimspiel in meiner Heimatstadt Innsbruck war auch sehr schön.

Ich habe auf dem Weg verschiedenste Erfahrungen gemacht, mega interessante Leute kennengelernt und sowohl dort als auch im Alles-Clara-Büro eine sehr lustige Zeit gehabt.

Design Thinking

Besonders beeindruckt hat mich, wie Design Thinking in der Praxis funktioniert. Ich kannte das Ganze schon aus meiner Schulzeit, in der wir die Theorie dieses Prozesses gelernt haben. Allerdings war es das erste Mal, dass ich von Anfang an bei einem so wichtigen Thema dabei sein und miterleben konnte, wie aus vielen Problemstellungen ganz konkrete Ideen ausgearbeitet werden. Wir arbeiteten mit Personas, überlegten uns reale Alltagssituationen und diskutierten offen, was helfen könnte und was nicht.

Was ich besonders schön fand: Alle Stimmen waren gleich wichtig. Egal, ob Wissenschaftlerin, Sozialpädagoge oder Schülerin – wir haben auf Augenhöhe gearbeitet. Dadurch entstand eine kreative und offene Atmosphäre, in der wirklich gute Ideen entstehen konnten.

Aus den Workshops sind viele Projektideen hervorgegangen, die ich im Sommer gemeinsam mit sieben anderen Praktikant:innen weiterentwickle.

Bisher haben fünf andere Praktikant:innen mit mir an den Projekten gearbeitet. Wir hatten jeden Tag ein Abstimmungsmeeting, das immer sehr motivierend war. Danach ging es an die Arbeit. Das Arbeiten im Team, immer wieder Brainstorming-Sessions und natürlich ganz viele Feedbackgespräche – bei denen natürlich nie ein Kaffee fehlen durfte – haben uns zu vier Ideen gebracht.

Die #ichregeldas Kampagne

Eine öffentliche Kampagne, die zeigt, wie stark und verantwortungsvoll Young Carers sind. Ein Beispiel ist eine Parkbank mit der Aufschrift: „Hier könnte Elena sitzen. Aber sie ist zu Hause und kümmert sich um ihre kranke Mama.“

Dazu gibt es einen QR-Code, der zu Infoseiten führt. Die Idee ist simpel, aber wirkungsvoll und macht das Thema sichtbar.

Die Toolbox

Ein Koffer, gefüllt mit Materialien wie Gefühlskarten, Spielen und Büchern, die an verschiedene Altersgruppen angepasst sind. Er hilft Kindern, ihre Gefühle zu benennen, besser zu verstehen und darüber zu sprechen.

Die Toolbox soll in Schulen, Kliniken oder auch privat eingesetzt werden können.

Die Young Mochi App

Dies ist eine App-Plattform, auf der sich Young Carers untereinander austauschen, Artikel lesen oder Workshops in ihrer Nähe finden können. Besonders cool: Der Event-Sucher verlinkt lokale Angebote direkt.

Die App fördert Offenheit rund um das Thema mentale Gesundheit und stärkt die Gemeinschaft.

Jumpin-Support

Eine App mit SOS-Button, Beratung und Unterstützung durch Pflegekräfte. Young Carers können Hilfe anfordern, beispielsweise wenn sie selbst eine Pause benötigen oder sich überfordert fühlen.

Die App gibt Sicherheit und entlastet spürbar.

Nach den ersten vier Wochen war es schön, zurückzublicken und zu sehen, wo wir angefangen haben und was im Endeffekt dabei herausgekommen ist. Auch wenn das Praktikum von vier Mitarbeiterinnen jetzt schon vorbei ist, habe ich die Möglichkeit, noch länger mitzuwirken und mit den anderen neue Ideen zu entwickeln.

Was noch kommt?

Der Sommer ist noch nicht vorbei. Wir arbeiten derzeit an Prototypen, führen Testgespräche und bereiten eine Präsentation vor. Im Herbst geht es weiter mit neuen Workshops sowie der Entwicklung konkreter Angebote und Kommunikationsmaterialien für Schulen, Sozialarbeit und Politik.

Ich bin stolz, Teil dieses Projekts zu sein. Und ich hoffe, dass noch viele Menschen davon erfahren und dass noch viel mehr junge Menschen die Unterstützung bekommen, die sie verdienen.

Danke Julia!

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.

Weitere Geschichten die dich interessieren könnten:

Eine Videoreihe von HOSPIZ ÖSTERREICH für Fachkräfte und Angehörige
„Pflegebedarf in Familien – ein unterschätzter Faktor am Arbeitsmarkt?“

Jedes Monat neu:

Der Alles Clara Newsletter!