Wer sind Young Carers

und was brauchen sie?

Pflege ist nicht nur eine Aufgabe für Erwachsene. Auch Kinder und Jugendliche übernehmen in vielen Familien regelmäßig Verantwortung – oft still, oft unsichtbar. Diese jungen Menschen nennt man Young Carers. Sie kümmern sich um kranke Eltern, Großeltern oder Geschwister, helfen im Haushalt, betreuen Geschwister und verzichten dabei auf vieles, was für Gleichaltrige selbstverständlich ist.


Renate begleitet als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und Beraterin bei Alles Clara Menschen in herausfordernden Situationen. Das Thema liegt ihr besonders am Herzen – auch, weil sie selbst als Kind in einer pflegenden Rolle war. Ihre Erfahrungen von damals und ihr Wissen von heute fließen in diesen Beitrag ein.

Renate ist diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und Beraterin bei Alles Clara. Sie spricht im Artikel über Young Carer und gibt dabei auch persönliche Einblicke in eigene Erfahrungen.

Wer sind Young Carers?

Young Carers sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die regelmäßig ein Familienmitglied mit körperlicher oder psychischer Erkrankung pflegen oder im Alltag unterstützen. Oft übernehmen sie zusätzliche Aufgaben: Kochen, Putzen, Betreuung von Geschwistern – manchmal bis zu fünf Stunden täglich.

Unterstützung von außen, etwa durch professionelle Pflegekräfte, gibt es selten. Die Verantwortung, die Young Carers tragen, ist enorm – und mit Herausforderungen verbunden, denen Gleichaltrige meist nicht gegenüberstehen.

In Österreich gibt es über 42.000 pflegende Kinder und Jugendliche – eine Zahl, die zeigt, wie relevant das Thema ist.

Auswirkungen auf Körper, Psyche und Alltag

Die Belastung zeigt sich auf vielen Ebenen:

  • Körperlich: Müdigkeit, Schlafprobleme, Rücken- und Kopfschmerzen
  • Psychisch: Ängste, Sorgen, Traurigkeit, fehlende Unbeschwertheit
  • Sozial: Verlust von Freundschaften und Hobbys, Isolation
  • Schulisch: Konzentrationsprobleme, Leistungsabfall, erschwerte Berufsperspektiven

Gleichzeitig kann die Situation auch positive Seiten haben: Ein gestärkter Familienzusammenhalt, ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl und das Gefühl, „erwachsener“ zu sein als andere Kinder.

Für viele Young Carers ist ihre Rolle zur Normalität geworden – sie merken oft gar nicht, wie viel sie leisten und wie sehr sich ihr Alltag von dem anderer Kinder unterscheidet.

Warum Young Carers oft übersehen werden

Pflegende Kinder und Jugendliche gibt es in allen Gesellschaftsschichten und in jedem Land. Sie sind schwer zu erkennen – nicht nur, weil sie sich selbst nicht als Young Carers sehen, sondern auch, weil sie nicht als solche gesehen werden möchten.

Umso wichtiger ist es, hinzuschauen und sensibel zu reagieren, wenn der Verdacht besteht, dass ein Kind oder Jugendlicher in einer solchen Rolle steckt.

Was im Umgang mit Young Carers helfen kann

Renate empfiehlt:

  • Vertrauen schaffen und wertschätzend begegnen
  • Gespräche auf Augenhöhe führen – Sorgen und Ängste ernst nehmen
  • Nachfragen: „Wie geht es dir? Was würde dir helfen?“
  • Regelmäßige Unterstützung anbieten – im Haushalt, bei Besorgungen, bei der Suche nach Entlastung
  • Kontakt halten und verlässliche Ansprechperson sein

Persönliche Einblicke

„Ich habe vielleicht selbst einmal zu den Young Carers gezählt – auch wenn das damals noch kein Begriff war. Das ist jetzt über 30 Jahre her. Bei uns in der Familie haben meine Eltern die Pflege meiner Großmutter übernommen. Ich war als Kind natürlich mit dabei, und als ich älter wurde, habe ich sicher auch Aufgaben übernommen, die Kinder und Jugendliche im Normalfall nicht erledigen.

Es war nie Zwang. Alles, was ich gemacht habe, war freiwillig. Meine Eltern haben mich nie gedrängt, und trotzdem habe ich mitgeholfen – weil es für mich selbstverständlich war. Diese Zeit hat uns als Familie gestärkt. Sie hat uns gezeigt, dass man vieles schaffen kann, wenn man zusammenhält.

Damals gab es kaum Unterstützungsangebote, die man in Anspruch nehmen konnte. Heute hat sich vieles verändert. Es gibt mehr Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen – auf der Seite des Sozialministeriums gibt es dazu Einblicke: https://www.young-carers-austria.at/

Ich denke, die Jugend ist heute nicht mehr so unbelastet und frei wie wir früher. Umso wichtiger ist es, dass wir hinschauen. Wenn es im Umfeld junge Menschen gibt, die jemanden pflegen, dann sollten wir ihnen unsere Hilfe anbieten und für sie da sein.

Die Zeit damals hat mich viel gelehrt. Ich habe für mich entdeckt, dass mir die Arbeit mit Menschen liegt – und genau deshalb habe ich mich für einen sozialen Beruf entschieden. Heute darf ich andere begleiten, stärken und unterstützen. Das ist für mich ein Geschenk.“

Fazit

Young Carers leisten Außergewöhnliches – oft ohne es zu wissen. Wer im Umfeld junge Menschen sieht, die pflegen, sollte hinschauen, Hilfe anbieten und für sie da sein.

Denn: Hilfe holen heißt nicht Schwäche zeigen – sondern Stärke beweisen.

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